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Demokratie & Deutungshoheit

(kein aktuelles Thema & eigtl wollte ich zwischendurch nur mal kurz auf einen interessanten Artikel eines ‚Kollegen‘ hinweisen… wurde aber leicht ausschweifend)

Ägypten, 2013 – 2 Jahre nach „arabischem Frühling“ und monatelangen Protesten wird der neue Präsident vom Militär gestürzt… während in Deutschland einige über diesen „weiteren Sieg des Volkes“ erst reflexartig in Euphorie ausbrechen, einigen sich die meisten schnell darauf: was hier gelaufen ist war ein reiner Militärputsch – und zu verurteilen…

Ein Putsch, keine Frage – an sich ja eine völlig wertfreie Bezeichnung, auch das Stauffenberg-Attentat¹ wird z.B. in der Wikipedia als „versuchter Putsch“ geführt. Mursis Absetzung gilt für die meisten aber als illegitimer, „böser“ Putsch.
Die Lage in Ägypten ist kompliziert, nach Mubarak hat sich der Militärrat auch nicht gerade „vorbildlich“ verhalten, mal milde ausgedrückt…
die Lage dort & auch die Motive des Militärs aber mal komplett außer acht gelassen – angenommen, das ägypt. Militär hätte hier in reinem Interesse d. Bevölkerung gehandelt, und nur getan, wozu sie selbst mangels Möglichkeiten nicht fähig war:

war die Absetzung Mursis „illegitim“ – allein weil er demokratisch gewählt war? Hätte das Volk alle (legalen & vom Verfassungsgericht abgesegneten) Entscheidungen hinnehmen und „Demokratie-konform“ x Jahre auf Neuwahlen warten müssen?

In Diskussionen bekam ich u.A. zu hören, es gäbe in einer Demokratie „keine höhere Instanz“ als die gewählte Regierung – sinngemäß: „demokratisch“ = legitim…
ganz davon abgesehn, ob rechtmäßig automatisch = Recht ist, nur weil unter demokratischen Bedingungen legalisiert – wirft das natürlich die Frage auf, was überhaupt „demokratisch“ ist – und v.A. wer legitimiert ist, das zu entscheiden.

in D gibt’s z.B. das „berühmte“ Widerstandsrecht – was i.d. Realität schon mal nur illegal angewendet werden könnte, weil gerade diejenigen, deren Beseitigung hier erlaubt wird, entscheiden was (il)legal ist.

Soll „Demokratie“ das Maß aller Dinge sein, stellt sich aber auch hier die Frage der Legitimation – unter Umständen könnte nämlich schwierig werden, festzustellen ob die in Abs. 4 genannte Bedingung überhaupt vorliegt –
wie z.B. der ESM sind eine Vielzahl der Maßnahmen unserer Regierung gegen den Willen einer großen Bevölkerungsmehrheit gefallen; keiner hat die Griechen nach einer Zustimmung zu Papademos gefragt…
eigentlich klar anti-demokratische Entscheidungen – formal, gemäß demokratischer Prozedur – aber völlig korrekt.
Wäre z.B. die Aussetzung der griechischen Wahlen – über die entscheidende Periode hinweg – unter „Beseitigung der demokratischen Ordnung“ gefallen – oder nicht, weil im Nachhinein nur kurzfristig?

Die Grenzen des „demokratischen“ sind in der Praxis also weniger eindeutig…

Nach Ende des 2. Weltkriegs war D auch über den Stauffenberg-Putsch tief gespalten, auch unter (zumindest vorgeblichen) Hitler-Gegnern – über die Frage, ob die Soldaten unter gegebenen Umständen das Recht hatten, ihren Diensteid zu brechen – oder ob einem Eid, als quasi „heiligem Akt“, bedingungslos Folge zu leisten sei…

erst nach einer großangelegten Kampagne – wobei die Attentäter teils ziemlich pathetisch als Helden dargestellt, Motive & Kriegsverbrechen Beteiligter, wie auch die geplante Weiterführung des Kriegs gg die Sowjetunion großzügig ausgeblendet wurden – wurde das Stauffenberg-Attentat zumindest in West-D mehrheitlich als ehrenhafter „Akt des Widerstands“ bewertet – und seitdem auch kaum noch mit dem negativ konnotierten Wort „Putsch“ bezeichnet.
(In der DDR sah die Beurteilung der Aktion verständlicherweise anders aus)

Was damals der Eid war – ein unantastbarer, „heiliger“ Akt – ist heute z.T. die Demokratie, die „über Allem“ steht & für Gerechtigkeit schlechthin.

Obwohl „demokratisch“ nicht gerade eindeutig ist, wird streng in Demokratien und Diktaturen unterteilt.
Während in Demokratien – gem. wörtlicher Übersetzung – „das Volk herrscht“, und natürlich Freiheit – herrscht in Diktaturen der klare Gegensatz.
Und wie die Bedeutung „feststeht“, auch welche Staaten dieses Attribut haben…

Wie z.B. die USA – auch wenn ein 2-Parteien-System den Bürgern nicht wirklich viel „Wahl“ läßt; und obwohl dieses System nicht mal an fehlender Zustimmung für andere Parteien, sondern am US-Wahlrecht selbst liegt – es gibt keine „Zweitstimme“. Im Parlament gibt es zwar unabhängige Abgeordnete, kleine Parteien sind aber chancenlos.
Dieses System ist de facto also schon institutionell verankert – trotzdem gilt das demokratische „Etikett“ der USA als unbestritten…
Dagegen wird z.B. Rußland in den Medien immer noch als Land dargestellt, in dem Demokratie höchstens auf dem Papier existiert.

Was einmal gelernt wurde wird so „gespeichert“, und dementsprechend assoziiert. Der Mensch wäre auch überfordert, alles ständig neu zu überdenken; v.A. ist es unmöglich, dies in allen Angelegenheiten & Detailfragen selbst zu tun – zu einem gewissen Grad ist jeder auf „Vorverdautes“ angewiesen.
Hat etwas, ob durch gezielte Agitation oder einfach Gewohnheit, erst mal erfolgreich sein „Etikett“/“Label“ weg, wird es i.d. Hinsicht nur noch selten hinterfragt – bzw. erst dann, wenn komplett überholt…

Das Verteilen von „Labeln“ überschneidet sich mit Propaganda, geht in der Auswirkung aber weit über Kampagnen hinaus – wer Macht über Begriffe & Assoziationen hat, beherrscht das Denken.

Geradezu in Perfektion lief das bei den Projekten EU & Euro – wo „Europäische Union“ (und nahezu auch der Euro) inzw. mit „Europa“ gleichgesetzt wird & umgekehrt…
wer öffentlich Ablehnung der EU, -Projekten oder dem Euro ausdrückte, galt demnach auch als Feind Europas & seiner Bevölkerung; erst seit die Krise ’spürbar‘ wurde, können auch Linke „gefahrlos“ Skepsis demgegenüber anmelden & hinterfragen, ob wirklich so „links“ ist was hier läuft…

Eigentlich eine alte Geschichte – siehe z.B. „die Kleider des Kaisers“…
nur lernt der Mensch halt selten aus Geschichte(n).

***

Ein paar interessante Gedanken über Demokratie & die Macht der Deutungshoheit von Begriffen finden sich bei Heinz Sauren und alien observer.

ein Post weiter die von alien observer erwähnte Dokumentation „Operation Wunderland“

[1] das Stauffenberg-Attentat wäre betr. Beteiligten, Motiven, Plänen für den & Konsequenzen aus dem Erfolgsfall natürlich einen eigenen Text wert – gilt aber exemplarisch als „guter Putsch“, hier also nur als Gegensatz zur Absetzung Mursis

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14 Kommentare

  1. Manfred Peters sagt:

    Eine fast unglaubliche Geschichte wäre noch die Unterstützung der Mörderbanden der Roten Khmer durch die USA und natürlich auch der BRD.
    Mehr u. a, hier:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Rote_Khmer

    • garfield080 sagt:

      ja, wie die aktuelle Unterstützung der syrischen Rebellen…

      noch zum 20. Juli:
      ich hatte hier mal ein Buch über das Attentat rumfliegen, aus den 50ern Erstauflage, ist aber leider verschütt gegangen & google books hat das wohl auch nicht, deshalb kann ich nicht mehr wörtlich draus zitieren.

      jedenfalls waren da Biographien über die Verschwörer, und speziell dieser General Hoepner wurde in den höchsten Tönen gelobt & als ehrenhaft_ester_ Soldat dargestellt…
      ein Bsp, wie er einen SS_Mann anschnauzte, als es um den Wert des Lebens seiner Soldaten ging, sollte wohl seinen Anstand & Courage zeigen… und obwohl seiner Uniform beraubt, stand er noch „männlich-aufrecht“ vor dem Richter.
      Die Episode mit dem Kommissarbefehl wurde da zweckdienlich „übersehn“…

  2. Hallo Garfield,

    danke für den Pingback.
    Wenn man kritisch das eigene Denken, die eigene kulturelle Prägung, die Macht der Begriffe, die Wahrnehmung der Realität, die Konstruktion der Geschichte in der Gegenwart und letztendlich Wahrheit selbst hinterfragt, muss man leider ausschweifen.

    Die Lügen haben eben nicht nur kurze Beine sondern auch kurze Texte. Genau dieses Phänomen beschreibt Chomsky in „manufacturing consent“.

    @Manfred Peters
    Es nutzt auch nichts die vergangenen Untaten den USA als Nation in die Schuhe zu schieben. Auch das nationale Denken ist Folge einer maniplation unserer Gedanken. Es sind supranationale Mächte die unsere gegenwart bestimmen und vernutlich auch unsere Vergangenheit bestimmt haben.

    So lange die Wähler der USA keinen EInfluss auf die Aussenpolitik haben, kann man sie nicht wirklich verantwortlich machen. Es gibt eine weitere Doku die einem einen neuen Blickwinkel auf die welt aufzeigt.

    In der Doku „Das Öl Zeitalter“ beschreibt Eric Laurent eindrücklich die Geopolitischen Interessen der Ölindustrie und wie diese die Aussenpolitik der Kriegsbeteiligten bestimmt haben: http://www.youtube.com/watch?v=PdGj5UU9fxo

    Es lohnt auch über die Zusamenhänge zwischen Eurokrise und den Ölfunden im „Energiedreieck“ Griechenland, Zypern und Israel nachzudenken oder warum „westliche Geheimdienste“ mutmasslich die Ermordung von Premier Karamanlis planten (was vom russischen FSB aufgedeckt wurde). http://www.keeptalkinggreece.com/2012/03/15/russian-spies-revealed-assassination-plot-against-former-pm-karamanlis/

    Es wäre übertrieben diese Umstände allein für die Entwicklungen in Griechenland verantwortlich zu machen, aber um ein gesamtbild zu erhalten muss man die Interessen der global operierenden Unternehmen heute imer im auge haben wenn man politische Entwicklungen beurteilt.

    Interessant auch, dass das Abhören des Telefons von Frau Merkel weit mehr medialen wiederhall findet als Mordpläne gegen einen Europäischen Staatschef. Aber die Hinweise stammen eben vom Lupenreinen Demokraten Putin und werden deshalb ignoriert.

    • Manfred Peters sagt:

      „Es sind supranationale Mächte die unsere Gegenwart bestimmen und vermutlich auch unsere Vergangenheit bestimmt haben.“
      Warum nicht gleich: Es ist gottgewollt?
      So weit bis hier, denn der Kommentar hat aus meiner Sicht noch so einige esoterische bis VT-Komponenten. 😦

    • Jaja, das Verschwörungstheorie Argument.

      Bis gestern wäre ich ein Verschwörungstheoretiker gewesen wenn ich gesagt hätte, dass die NSA wichtige Politiker in unserem Land ausspähen um sie bei bedarf mit belastenden oder peinichen Aufnahmen unter Druck setzen zu können.

      Trotz der Regierungswechsel in Washington hat sich in den vergangenen Jahrzehnten die US Aussenpolitik kaum verändert. Sie spielte in keiner Wahl bisher eine entscheidende Rolle. Eisenhower, ein verwirrter esoterischer Verschwörungstheoretiker vermutlich, prägte den Begriff vom militärisch industriellem Komplex.

      Es gibt gute Gründe für die Argumentation, dass massgeblich wirtschaftliche Interessen die US Aussenpolik bestimmen, d.h. die interessen von Konzernen mit guten Kontakten zur Regierung. Ich denke selbst wenn ich hier keine Belege dafür bringe iässt diese Aussage glaubhaft.

      In der verlinkten Doku erklärt ein ehemaiiger CIA Mitarbeiter wie viele privilegien die Vertreter großer Konzerne in Washington geniessen. Wie gut vernetzt bestimmte Kreise in Washington sind beschreibt die Soziologin Janine R. Wedel in „Shadow Elites“ http://shadowelite.net/ .

      Die Nationen sind getriebene die im Wettbewerb um „Rahmenbedingungen“ so gut wie alle Wünsche transnationaler Konzerne erfüllen, nur um die abwanderung von Arbeitsplätzen ins Ausland zu verhindern. Auch das sollte jedem aufgefalen sein.

      Ein vermutlich weiterer Verschwörungstheoretiker den ich gerne hier nenne ist der BBC Journalist und investigative Reporter Greg Palast, dessen Buch „Vulture’s Picnic“ ich uneingeschränkt empfehlen kann.

      Auch schön dieses Video:

      Ich bin sicher Sie sind auch nicht Überzeugt davon, dass ihre Überzeugungen irgendetwas mit Propaganda zu tun haben.

    • Manfred Peters sagt:

      @ A&O 16:33
      Super, wieder einmal einer, der meine „Überzeugungen“ , nicht aber „Den Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus kennt“. 😦
      Schon scheiße, wenn man wohl im schwarzen Loch Deutschlands, Bayern, sozialisiert wurde, zur Schule gegangen ist und sich dann anmaßt die Welt erklären zu können. Aber im Gegensatz zu den Westlingen haben wir im Osten Verständnis für die daraus entstandenen Defizite und könnten, da mit solchen Themen überfüttert, gut und gerne bei der Füllung der Wissenslücken auch ohne VT helfen.
      Und jetzt , da auch ich die Liebe zu Verweisen pflegen kann, erst einmal ohne Kommentar, wenn es auch schwer fällt: „im deutschen Interesse, dass der Whistleblower Edward Snowden „nicht jetzt ständig Unsicherheit stiftet““

    • garfield080 sagt:

      @Manfred

      ich denke was alien observer meint, ist bloß daß man dem Durchschnittsamerikaner ebensowenig die Schuld für US-Außenpolitik geben kann, wie dir oder mir für das Desaster in GR – die Amis haben mit ihrem Wahlrecht wie oben geschrieben sogar noch weniger Einfluß als wir in D.
      Und daß „supranationale Mächte“, wie Ölkonzerne, maßgeblich die Politik [mit]bestimmen wird doch keiner ernsthaft bestreiten… letztens lief auch ne Doku dazu, „die 7 Schwestern“.

      das gleiche Thema hatten wir schon mal bei Karl (was ich jetzt natürlich nicht mehr verlinken kann :(): wenn Imperialismus das höchste Stadium des K. ist – ist Globalisierung das höchste des Imperialismus.

      ohne jetzt auf spezielle einzugehn – was „VTs“ betrifft, kann ich alien observer nur Recht geben: perfektes Totschlagargument/ -keule.
      Hätte auch gut in den Text gepasst, dasselbe wie mit „EU“ oder „Putsch“ – so erfolgreich assoziiert – ohne den Ruf auf’s Spiel zu setzen, kann sich (zumindest öffentlich) keiner mehr ernsthaft mit „VTs“ auseinandersetzen.
      (klar, daß viele „VTler“ Spinner sind, hat da natürlich seinen guten Anteil – nicht zu vergessen die ganze Kohle, die in der VT-„Industrie“ steckt, über Bücher, „Dokus“ etc)

      ansonsten seh ich zw. Imperialismus & VTs aber keinen großen Widerspruch…
      Als Gaddafi im TV verkündete, er würde gg al-Qaida kämpfen – was haben wir gelacht, „jetzt ist der Typ völlig durchgeknallt“… heute verbucht man al-Qaida/Lybien bloß noch unter „ferner liefen“.
      abgesehn von der NSA-Sache gibt’s da noch so einiges – wie die Geheimdienstverbindungen des „Unterhosenbombers“, auch ne „Ex“-VT.
      Oder die Freimaurer-Loge P 2… das heißt jetzt natürlich nicht, daß alle Freimaurer-Logen „die Weltherrschaft“ anstreben oder was auch immer; und 90% der VTs sind Schwachsinn – aber die Ausnahmen bestätigen halt die Regel. Nur weil es ne „VT“ dazu gibt, muß es noch lange nicht falsch sein.
      Wie sagt man: daß du Paranoia hast, heißt noch lange nicht, daß sie nicht hinter dir her sind… Verschwörungstheorien sind „VTs“ & ihre Anhänger Spinner – bis sie aufgeklärt werden, dann nur noch „Nachrichten“/Geschichte.

      so, das war’s erstmal, zu Details kann ich vor dem nächsten Liter Kaffee nix schreiben.

    • @Manfred Peters,

      können wir bitte sachlich bleiben?
      Wo genau werde ich esoterisch und was für VTs wil ich verbreiten?

      Garfield hat es erfasst. ich will eigentlich nur darauf aufmerksam machen, dass internationale Politik heute Wirtschaftspolitik im Sinne von großen transnationalen Konzernen ist.

      In den Medien wird aber Geopolitik immer als der Wettbewerb „nationaler Interessen“ dargestellt. Meist aber sind die verfolgten Interessen eher im Sinne der Konzerne und ganz entgegen dem Gemeinwohl.

      Greg Palast führt in den verlinkten Video aus wie geheime Absprachen der Großbanken mit Larry Summers diesen Millionengewinne verschafft haben und ganz gezielt auf Ausbeutung der eigenen Steuerzahler abzielten.

      In der Austeritätspolitik sehe ich das gleiche Schema. Unser Larry Summers heisst Jörg Asmussen. Derjeneige der im wesentlichen für die Deregulierungsmaßnahmen in DE verantwortlich ist sorgt heute dafür, dass die Bevölkerung Europas für die Renditen der Großbanken in Lohnsklaverei gepresst wird.

      Es ist keine Verschwörungstheorie, wenn man immer wieder Individuen und Institutionen benennen kann, die sich kriminell am Gemeinwesen bereichern. Im Falle von Larry Summers oder Jörg Asmussen ist klar nachzuvollziehen wo ihre Deregulierungsmassnahmen die Raubzüge am Volksvermögen erlaubt haben.

      Klar ist aber auch, dass diese Personen beliebig austauschbar sind solange das System sich nicht ändert. Es ist ein System der Korruption und Ausbeutung dass uns diese Akteure beschert hat, nicht umgekehrt. Können wir uns darauf einigen?

    • Philosophische Überlegung.

      Weder die einseitige Schuldzuweisung an ein System noch die Konstruktion einer Gruppe von Verschwörern führt zu einem sinnvollen Diskurs.

      In beiden Fällen wird die Verantwortung des Einzelnen für das eigene Handeln relativiert. Auch in diesem Korrupten und Ausbeuterischen System hätten Larry Summers oder Jörg Asmussen alternative Handlungsoptionen. Auch wenn sie sich in den Paradigmen dieses Systems bewegen tragen sie moralische Verantwortung.

      Umgekehrt ist auch jeder einzelne Mitverantwortlich dafür, wenn „finstere Akteure“ sein Leben fremdbestimmen. Kein Deutscher kann sich darauf zurückziehen, dass die Untaten der Nazis von einigen Personen um Hitler herum verübt wurden. Jeder einzelne macht sich Schuldig wenn er zulässt, dass Verbrecher die Politik bestimmen.

      Insofern mag meine Anmerkung über den Amerikanischen Wähler nicht ganz krrekt sein. In ethischer und moralischer Hinsicht macht sich jeder Schuldig an den Verbrechen der eigenen Regierung, der sich nicht die Mühe macht sich über die Aussenpolitik seines Landes zu informieren.

      Trotzdem scheint es mir, dass selbst bei wirklichem politischen Engagement der Bevölkerung die Verflechtung von Wirtschaft und Politik in den USA nicht mehr in den Griff zu bekommen ist. Die Mglichkeiten der Einflussnahme die das System zulässt sind zu klein. Selbst eine Mehrheit der Bevölkerung währe wahrscheinlich nicht mehr in der Lage sich gegen die Interessen der Industrie durchzusetzen.

      In den USA ist meiner Meinung nach die Herrschaft der Oligopole absolut. Nur ein Umsturz oder Zusammenbruch des systems kann daran etwas ändern. Um so besser, dass die Auflösungserscheinungen zunehmen und das System langsam kollabiert.

    • Manfred Peters sagt:

      Kann mich des Gefühls nicht erwehren, dass ich Eure Verweise lese/mir ansehe/anhöre, obwohl mir das Meiste und noch viel mehr bereits bekannt ist, während meine Hinweise irgendwie versanden.
      Bsp. konkret : Interview US-Lobbyist Kornblum ( wenn nicht auf der Gehaltsliste der CIA, … sicher auf der von Friede Springer, da „Welt“-Apologet) behauptet in dem verlinkten Interview mehrmals mehr oder weniger deutlich, das Snowden ein Lügner sei. Der Moderator könnte hier deutlicher insistieren, lässt die Behauptung im Wesentlichen so stehen. Nebenthema wäre das Verhältnis des DLF zum RIAS!
      Gestern und heute wird aber schon deutlicher warum Merkel/die Presse überhaupt mit der Enthüllung an die Öffentlichkeit gegangen ist. Wir können uns gegen die USA- Geheimdienste gar nicht wehren,ergo müssen wir unsere Geheimdienste aufrüsten*. Das dabei der Bürger wieder der mehrfach angeschissene ist, sagt aber niemand.
      Die Medien vermitteln den Eindruck, dass aus dem Skandal unbedingt von RTL in Kooperation mit FOX News eine 500teilige Telenovela mit dem Arbeitstitel „Angie und Barack, eine unverschlüsselte Liebe“ gedreht werden sollte und sie händeringend auf den Start der Serie warten. 😦
      Trotz alledem noch einen Hinweis zu den multinationalen Konzernen und einer Gesellschaftsanalyse ohne VT, wie ich sie verstehe.

      @ „…bitte sachlich bleiben?“
      Danke gleichfalls!
      1990 und Folgejahre wollten mir Missionare verschiedener Couleur mein falsches Leben erklären und meinen Lebenslauf umschreiben. Von neoliberalen bis reaktionären „Westlingen“ hatte ich auch nichts Anderes erwartet.
      Wenn aber heute wirkliche oder vermeintliche „Westlinke“ aufgrund ein paar missinterpretierter Zeilen meinen, meine „Überzeugung“ zu kennen, werde ich erst einmal hellhörig und gestatte mir einen leisen Widerspruch. Das trotz der im Westen (60 Jahre BILD-geprägt) auf den zerkratzten Festplatten eingebrannten Meinung, dass wir weinerlich, obrigkeitshörig, unselbstständig, nostalgisch … wären.
      Dein letzter Kommentar enthält m. E. hoffnungsvolle Ansätze für eine zukünftig bessere Verständigung. 😉
      * Ich hoffe, dass verstanden wird, nicht ich möchte die Geheimdienste aufrüsten, sondern unsere beste Regierung aller Zeiten!

    • Manfred Peters sagt:

      @ Aktualisierung mein Kommentar 27.10., 00:48
      „Aufregung, weil der Geheimdienst seine Arbeit macht“
      Wenn es noch eines Beweises bedarf, dass sich der DLF in der Tradition des RIAS als Propagandaorgan des CIA versteht, hier ist er wohl erbracht. 😦
      Das heute weitere üble Interessen dort ihr Mundwerk betreiben brauch ich wohl nicht zu erwähnen

  3. garfield080 sagt:

    die Argumentation aus dem dradio-Berichts ist ja nicht ganz neu… schon als PRISM rauskam (und über den größeren Fisch „Tempora“ noch keiner redete) wurde ja bemerkt, daß die grenzenlose US-Überwachung u.A. zur Befreiung deutscher Geiseln beigetragen hat…

    ansonsten braucht man für die Agitation nicht mal Amerikaner. Das erledigen in vorauseilendem Gehorsam schon unsere eigenen Landsleute, wie z.B. in dieser „Phoenix-Runde“:
    Herr Frisch – seines Zeichens Ex-Präsident / BfV – verteidigt die US-Dienste da besser als es jeder Ami könnte… wirft ein, daß man nach den Motiven für die Überwachung Merkels fragen müsse – um auch gleich die Aw zu geben: D’land hat mit seiner flatterhaften Haltung betr. Syrien, dem „Nein“ zur Lybien-Intervention, usw usf… halt keinen guten Eindruck bei den Verbündeten gemacht… womit er zw den Zeilen auch gleich die „Lösung“ anbietet.
    wenn der Mann nicht das Lager gewechselt hat, fragt man sich da, ob der VS überhaupt der BRD untersteht, oder nicht direkt dem Pentagon.

    nochmal zu „supranationalen Mächten“: mir ist schon klar, was du mit dem Kommentar bei Karl sagen wolltest. Die Frage ist halt, wieviel Einfluß ein Reg-Wechsel überhaupt hat, speziell auf Geheimdienste…
    vllt werden Führungspersönlichkeiten ausgetauscht* oder neue „Leitlinien“ gegeben – aber wenn man die Ämter nicht von Kopf auf Fuß stellt bleiben die Strukturen dieselben, in den unteren Ebenen dürfte sich wenig bis gar nichts ändern… die NSA hat z.B. 40 Tsd Mitarbeiter, die CIA 21 Tsd; dazu kommen noch DIA, CYBERCOM, etc etc…

    gerade in den USA ist das ganze durch das Ausmaß privater „Beratung“ aber noch mal spezieller … z.B das Pentagon & RAND – mit Verbindungen zum Hudson-Institut (mal auf „Funding“ / Geldquellen achten), aus dem wiederum das Discovery Institut entstanden ist… daß evangelikalen Kirchen die Seelsorge in US-Kasernen übertragen wird, ist da nur das sichtbare ‚Ende vom Kreis‘.

    was die USA betrifft, bin ich auch der Meinung – für Veränderung auf (innen)politischem Weg seh ich kaum Chancen. Man kann wohl nur drauf warten, daß die USA gg die Wand fahren.

    *) die Leute, die Obama betr. Verteidigung/Sicherheit einsetzte, waren trotz Nobelpreis von Beginn an alles andere als Pazifisten… trotzdem muß man sich vor Augen halten, daß er immer noch der (vermutlich) gemäßigte_re Kandidat war – was schon Bände über die „Alternativen“ der US-Wähler spricht

    a propos VTs: ich sehe grad, „Chemtrails“ haben es auf 3Sat geschafft 😉
    hier mal ein gutes Bsp für den Umgang mit VTs – und ein schlechtmöglichstes

    • garfield080 sagt:

      Korrektur – ich seh grad, in meiner Verpeiltheit hab ich so einiges durcheinander gebracht…

      1.) war’s nicht die „Phoenix Runde“, sondern dieser „Presseclub“
      2.) der Nach-Vorne-Verteidiger war nicht Peter Frisch, sondern Stefan Kornelius – der auch nicht Ex beim VS, sondern aktiv bei der Süddeutschen ist
      3.) den ich mit diesem Phrasendrescher – Heribert Hellenbroich – verwechselt hab…

      Asche über mein Haupt.
      Zitat / richtige Sendung

      edit im Rahmen des Themas vllt interessant, wie Kornelius die VT-Keule benutzt um diese Frage abzuwürgen. Der Anrufer ist vllt etwas nervös & drückt sich schlecht aus; hört sich im Zusammenhang mit Merkels Handy auch erstmal leicht ’schräg‘ an – auch wenn alle i.d. Runde lachen, ist sein Fazit – Währungskrieg $ vs € – aber nicht ganz von der Hand zu weisen.
      Aw Kornelius: „tick zuviel Konspiration“, dann „bin Laden“, und der 11. September darf natürlich auch nicht fehlen – Fall erledigt.
      „Währungskrieg“ hin oder her – wenn auch ’suboptimal‘ rübergebracht, sind die Gedanken des Anrufers trotzdem sinnvoller als K’s Gelaber in der ganzen Sendung. Bei der Überwachung geht’s um Dominanz, da sind wirtschaftl. Interessen genauso elementar wie „Terrorbekämpfung“

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