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Macht zur Gewohnheit

wenn auch (verspätet) aus aktuellem Anlaß – kein aktuelles, sondern ständiges Thema

Verteidigungsministerin kündigt Privatisierung der Bundeswehr an
In ihrer Bundestagsrede kündigte die neue Verteidigungsministerin an, den "global agierenden Konzern" zum "attraktivsten Arbeitgeber" Deutschlands zu machen. V.A. familienfreundlicher soll die Bundeswehr werden.
Die desolate Finanzlage mache eine Privatisierung von Schlüsselpositionen der BW allerdings unumgänglich. Dank guter Erfahrungen in ganz ähnlichen Bereichen lägen die Vorteile dieses zukunftsweisendes Schrittes auf der Hand.
Es dürfe, wie auch im Bereich Production & Development, keine roten Tücher geben. Den Herausforderungen der Zeit bla bla bla Fortschritt bla bla bla globale Wettbewerbsfähigkeit bla bla bla Arbeitsplätze bla bla bla alternativlos bla bla bla...

ok, mal ehrlich – wen würde so eine Meldung noch ernsthaft wundern/schockieren/vom Hocker hauen/auf die Straße treiben…?
Daß man im Justizvollzug – ebenso ein Kernbereich des Staats – bereits auf dem Weg Richtung Privatisierung ist, stößt ja auch nicht grad auf großen Widerstand; geschweige denn aus Mitte der Gesellschaft…

Noch wenige Jahre nach Kosovo hab ich Leute, die den Einsatz als „kalkulierten ‚Dammbruch'“ bezeichneten, eher für leicht paranoide VTler gehalten. Im Nachhinein betrachtet…
„KZs“ im Kosovo[1], unsere „besondere Verantwortung“ wurde von „Nie wieder Krieg!“ zu „R2P“; zwischendurch der erste Bündnisfall, wg. einem Terroranschlag (sowas gab’s zum letzten mal, wann… dem 1. Weltkrieg…?); im Irak war D wenigstens „offiziell“[2] nicht dabei – dafür 2011 schon soweit, fast einen Minister zu schassen[3] weil der sich wagte einen Krieg nicht vorbehaltlos abzusegnen; der „BW im Innern“ wurde auch offiziell der Weg frei gemacht; und kein Ende in Sicht…

In nicht mal 20 Jahren ging’s von Nie wieder Krieg zur Weltpolizei. Würde man GG/ den Auftrag als Verteidigungs-Armee nur halbwegs ernst nehmen, könnte man die BW konsequenterweise auch gleich abschaffen – zur Landesverteidigung ist sie eh kaum noch in der Lage.

Eile mit Weile

Seit Kosovo ging’s – in kleinen Schritten, aber zielstrebig – den „großen“ Vorbildern nach. Kleine Schritte haben was von Haarwuchs – den sieht man auch nicht. Kleine Schritte vermeiden große Aufregung – und dienen v.A. der Gewöhnung.
Das (noch) Anormale wird schrittweise normalisiert, nicht nur beim Militär – Polizei, Justiz, Überwachung (da noch durch den „mitkommenden“ Luxus techn. Möglichkeiten befördert), Demokratieabbau, usw usf…
der (proportional) erschreckend geringe Protest, den z.B. Merkels Äußerung  „kein Anspruch auf Demokratie […] auf Ewigkeit“ auslöste, zeigt dabei, wie einfach die „Normalisierung“ ist – in D wird eine „bekennende Plutokratin“ sogar wiedergewählt…

Was man nicht anders kennt, wird nicht mehr hinterfragt. Wer in den 90ern geboren wurde, muß dt. Soldaten im Krieg als völlig normal empfinden – ebenso wie die ständig mögliche, punktgenaue Lokalisierung durch versteckte Apps… aber deshalb auf’s Smartphone verzichten…?

Was bedeutet überhaupt ‚Krieg‘ selbst für eine Generation, die mit „chirurgischen Präzisionsangriffen“, ausgefeilten PR-/PsyOp-Techniken des Militärs, und „freiwilliger Selbstzensur“ der Medien aufgewachsen ist…?

burnedmaniraqauch solche Bilder sind nur oberflächlich (Quelle)

„Krieg“ ist visuell kaum vermittelbar – ob sie ihn als Actionfilm, oder „ungeschminkte Wahrheit“ zeigen – die Meldungen der Krisenreporter sind nur Momentaufnahmen. Das wahre Ausmaß – die Odysseen der Zivilisten, Verlust von Heim & Angehörigen, Traumata etc… – läßt sich nicht in Momentaufnahmen darstellen.
Kritische Dokumentationen zeigen dagegen meist nur die eigene Seite, ‚Soldaten in Todesgefahr’… was in unserer, durch & durch regulierten Welt, auch Abenteuerromantik auslöst (gleiches gilt für sogenannte „Anti-Kriegsfilme“).
Die Invaliden – die noch i.d. 80ern zum Alltagsbild gehörten und verdeutlichten, daß Krieg „nicht vorbei ist, nur weil er vorbei ist“ – leben meist nicht mehr.

Dafür steuern wir, BW-Einsätze betreffend, auf eine paradoxe Kultur ähnlich den USA zu – wo man bei jedem heimkommenden Sarg auf den „verdammten Krieg“ schimpft – aber gleichzeitig die Flagge schwenkt & Solidarität zu „unsern Jungs“ bekennt (die bei der Institution ankommt)…

Ich wage mal die Prognose: sicher keine 20 Jahre „weiter so“ – und man wird militärische Einsätze ganz offen & direkt als wirtschaftliche bezeichnen – Kosmetik wie „humanitär“ komplett überflüssig…
wie vielleicht auch das Schlagwort „Terroristen“ – weil ständige Überwachung der Intim-sphäre so normal sein wird, wie heute der Reisepass.

…was tun?

Der Kampf gg die ständige „Gewöhnung“ ist einer gg Windmühlen-Flügel – als Antwort hab ich leider auch nur die Phrase parat „wer aufgibt, hat schon verloren“…

an dieser Stelle – Gruß an eine engagierte Windmühlen-Bekämpferin


Links:
AG Friedensforschung zu „Neuausrichtung der Bundeswehr“ & Koalitionsvertrag

[1] natürlich ist D nicht erst seit Jugoslawien dabei, wenn auch mehr „indirekt“; dazu lassen sich im Zeitalter der Globalisierung sowieso kaum noch nationale Grenzen ziehen. Auch militärisch trägt der „Exportweltmeister“ immerhin Bronze – dt. Firmen versorgen nicht nur US-Spezialeinheiten, sondern verdienen auch an jedem gebauten Abrams-Panzer – dessen in Lizenz produzierte Glattrohrkanone L/55 pro Stück bezahlt wird. (Nicht nur) jeder US-Krieg spült auch in deutsche Kassen Geld

[2] vom BVerwG mit Urteil vom 21.06.05 festgestellt: BRD war Kriegspartei im Irak-Krieg

[3] daß v.A. Westerwelle ins Fadenkreuz geriet, zeigt daß „Teflon-Merkel“ diesen Spitznamen mehr als verdient hat. Als ob ein Außenminister selbstständig über Krieg & Frieden entscheiden würde…

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6 Kommentare

  1. garfield080 sagt:

    ich hätte noch einbauen sollen, daß man uns bei der BW im politischen Unterricht immer eingebläut hat, „völkerrechtswidrige Befehle von Vorgesetzten werden NICHT befolgt“ *
    war beim Kosovo-Einsatz dann vergessen, obwohl völker- UND GG-widrig hat nicht ein Flieger verweigert – dafür wurden die Aufrufer strafrechtlich verfolgt.
    aber „Nie wieder Auschwitz“ > Völkerrecht, und wg den (Scharping) KZs dort…

    auch interessant der Hauptauslöser, das Massaker von Račak:
    wikipedia, AG Friedensforschung, B92 (ehem. regierungskritischer Radio-Sender, heute privat)

    …und zu Leyens Rede: da ich die nocht(?) nicht auf Video finde → Zusammenfassung

    *) man beachte: Präsens – nicht Imperativ 😉

  2. Manfred Peters sagt:

    Und wer nun annahm es ginge nicht mehr schlimmer, wird gerade eines Besseren belehrt.
    Reichspräsident Gauck gibt die Ziele vor, Noske- (einer muss der Bluthund sein) Steinmeier ordnet die Truppen und die Verbündeten, Uschi die Wunderwaffe führt sie mit Kindergarten zum Sieg.
    Als Erstes wird die Ukraine zu den deutschen Ostgebieten erklärt und vom Kommunismus befreit.
    Als Reichsverweser wird Marktplatz-(Rummel-)Boxer Klitschkopf eingesetzt.
    Diesmal ist es auch einfacher, denn das verbündete Polen gewährt freies Geleit. Ist die Ukraine erst mal befreit, sind die Ölfelder des Kaspischen Meeres auch nicht mehr weit.
    Das nennt man nicht erst seit gestern „Wahrung der wirtschaftlichen Interessen“!

  3. G. Bieck sagt:

    Wie wahr, wie wahr Herr Peters…und vor dem Pfaffen (aus der transatlantischen M.f.a, sprich Atlantikbrücke e.V), auserwählt von der rot-grünen Garde gruselts mir so sehr.
    Ein Diener des Herren…du sollst nicht töten…..du sollst nicht stehlen (doch auch kein fremdes Land und Erdöl und so…) weiß er das denn nicht, was in der Bibel steht?!
    …Der Wolf im Schafspelz, mit einem Lächeln…einem lieblichen Säuseln und Blubbern wie er im Buche steht….
    Himmel hilf, aber stand da nicht schon mal: „Gott mit uns“ auf Uniformengürtel?!

    Und dann die Uschi noch dazu..als höre ich zwischen den Zeilen:..und mehr Flintenweiber braucht das Land…..

    Schön, das es die Blogwelt gibt, der Mainstream ist doch zum Verzweifeln mit der Kriegsliebelei und dem neuen-alten germanischen-deutschen Größenwahn.

    G. Bieck

    • Manfred Peters sagt:

      Hallo Frau Bieck,
      da trifft man sich auf einem weit von zu Hause (neudeutsch daheim) aktiven Blog zur Diskussion gesellschaftlicher Verwerfungen.
      Man kann Mecklenburg-Vorpommern ja zum Schlaraffenland zählen, wenn schon ein Bus, der nicht um die Ecke kommt, zum Politikum wird.
      Aber zurück zu Thema.
      Bei meiner Recherche bin ich auf den Hunnenpastor gestoßen. Er ist noch heute oder gerade heute Vorbild und Namenspatron derer, die offensichtlich unter dem „Freiheitspanier“ die Welt in eine neue Katastrophe führen wollen.
      Geschichte soll sich ja nicht wiederholen. 😦

  4. garfield080 sagt:

    allgemein zum Thema:
    geplante Pipelines NO/Asien


    zum vergrößern klicken (© doppelpunkt/IPPNW)

  5. Frankie sagt:

    DUDE you save my life!!!I m autodidact on c4d. 1h am: i have been crazy with my renderer (my rendrer take 1h53min….and i must be finish it for 10h am)1h30 am: i find your tunlgial.(oearnitr, working!!)2h am : rendrer take 3min53 sec!!!!!3h am : finish my work!10h45 am : i gat the bisness!!Tks you so much.peace & respect.Gorilla

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