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je ne suis pas charlie

bzw je n’étais pas

Satire…

ein interessanter Aufsatz darüber, was Satire ist & darf, kam zum Ergebnis (-unter Anderem & kurz gefasst-): sie tritt nach oben, nicht nach unten.

Darüber, ob „der“ Islam ‚unten‘ ist läßt, sich natürlich streiten – während IS, Abbu Sayyaf, Al Kaida etc pp ihre wehrlosen Gefangenen massakrieren – allerdings sind IS & Co. eben auch nicht der Islam.
Seit dem 11. September 2001 haben Muslime in aller Welt – ob gläubig, religiös, oder nicht – bereits genug unter Vorurteilen & über-den-Kamm-scheren zu leiden – was in Relation etwa so wäre, als ob ALG-2-Empfänger mit Occupys „1%“ gleichgesetzt würden, nur weil sie aus der westl. Welt kommen.
Demnach treten die Karikaturen eindeutig nicht nach „unten“ – sondern sind bestes Stammtisch-Niveau & voll auf Mainstream-Linie.

hin oder her

unterm Strich zementieren diese Karikaturen – ob beim Karikaturen-Streit oder ‚Charlie Hebo‘ – nur die gleichen Vorbehalte wie Sarrazins „Bälger werfende Kopftuchmädchen“  (oder so Ähnlich). Der Unterschied ist bloß das Niveau – wobei ich mich bei manchen Karikaturen frage, wer hier wen unterbietet.

…gibt es auch sowas wie Respekt

und das ist der Hauptpunkt. Dürfen, Können & Tun sind 3 verschiedene Dinge. Schon bei den Karikaturen in Dänemark kam mir das bewußte Nachdrucken wie das trotzige Verhalten kleiner Kinder vor.
Auch wenn ich unsern Bundesprediger nicht mag, ich beleidige nicht seine Mutter; man muß kein Fan Ignatz Bubis‘ gewesen sein, aber seine Grabschändung (auch ein „künstlerischer Akt“) war unterste Schublade – gewisse ‚zivilisatorische‘ Standards vorausgesetzt zumindest.
Sicher darf Religion kein Freifahrtschein sein – aber kann man die Mehrzahl der friedliebenden Muslime nicht einfach mal unbehelligt lassen, statt sie – ohne Not – zu beleidigen?

Keine Frage – der Anschlag am 7. Februar war kaltblütiger Mord & durch nichts zu rechtfertigen

Allerdings sind Anschläge & (Mord)Drohungen gegen Journalisten bei weitem keine Seltenheit. Sobald die Täter aus islamischem Umfeld stammen, scheint die Sache aber ein Fall für sich zu sein: Die Welt hat hierfür eigens eine Statistik erstellt – als kleine Auswahl zum Vergleich (unvollständig)

1999 – NATO bombardiert den Fernsehsender RTS, 16 Tote, 16 Verletzte
2001 – zu Beginn des Afghanistankriegs wird das al-Jazeera-Büro Kabul bombardiert
2003 – US-Truppen beschießen das Hotel „Palestine“, mind. 3 Tote, 4 Verletzte
2006 – 5 Attentäter ermorden Anna Politowskaja
2007 – minderjähriger Rechtsextremist ermordet Hrant Dink
2008 – in Hamburg greifen Neonazis verschiedene Journalisten an, ? Verletzte
2014 – Morddrohungen gegen Lokalredaktion der Lausitzer Rundschau
2014 – in Mexiko ermorden Unbekannte Octavio Rojas Hernández

Allein in den vergangenen 3 Jahren kamen über 200 Reporter in Ausübung ihres Jobs ums Leben – Krisengebiete außen vor (⅔ aller Todesfälle) ist eine der tödlichsten Regionen dabei Südamerika, „provozieren“ tun hier v.A. Recherchen über Organisierte Kriminalität & polit. Korruption. Bei Übergriffen sind die Täter nicht selten staatliche Organe: 2014 sorgte in Venezuela z.B. die Nationalgarde für 62 % aller Attacken. Den Rekord von Journalisten in Haft hält regelmäßig China, 2012 ging er allerdings mit 30:42 an die Türkei – soviel zur „Gefahr fürs Presserecht“.[1]

Bitte hinten anstellen

Bei der Opferverwertung haben die „Richtigen“ Vorrecht. Während PEGIDA & „Front National“ die Anschläge miß-brauchen – gut zu ge-brauchen waren sie in jedem Fall. Gesetzesverschärfungen kommen auf den Tisch, und ein gemeinsames Feindbild ist schließlich auch immer nützlich.
Zur nützlichen Idiotin machte sich neben PEGIDA dabei v.A. Le Pen mit ihrer Forderung der Todesstrafe – verglichen damit können die eigenen Vorhaben ja nur milde wirken. Neben der schon obligatorischen Vorratsdatenspeicherung waren das u.A. De Maizieres Gedanken,[2] nicht nicht mehr bloß den Aufenthalt in „Terrorcamps“, sondern schon das Reisen an sich strafbar zu machen.
Zumindest wurde ich durch die Rufe nach einem europäischen Geheimdienst mal auf die ziemlich interessante, aktuelle Handhabe aufmerksam.

Strenge und z.T. mehr als fragwürdige „Anti-Terror-Gesetze“ gibt es jedenfalls schon seit Jahren, thematisiert z.B. in der Doku Freiheit oder Sicherheit:
speziell in Frankreich genügen bereits Geheimdiensthinweise, um Terrorverdächtige teils jahrelang in Untersuchungshaft zu halten – Hinweise, die trotz allem Verschlußsache bleiben & und als diese nicht mal den Verteidigern zugänglich gemacht werden – was die Verteidigung natürlich leicht erschwert; in Großbritannien landete z.B. der Akademiker Rzwaan Sabir in U-Haft, weil er im Rahmen einer Doktorarbeit al-Qaida-Trainingshandbücher heruntergeladen hatte; in Deutschland wurden im Vorfeld des Oktoberfests ’12 zwei mutmaßliche Islamisten „vorsorglich inhaftiert“ (Merkur Online).[3]

100%ige Sicherheit ist sowieso unmöglich – daß es diesmal unter der Flagge der Meinungsfreiheit einen weiteren Schritt Richtung „wer nichts zu verbergen hat…“ geht, hat aber schon eine gewisse Ironie.


[1] Quellen/Referenzen: Reporter ohne Grenzen – Jahresbilanzen 2012, 2013, 2014, Rangliste der Pressefreiheit; Statistaunaufgeklärte Morde an Journalisten 1992 bis 2014, Anzahl getöteter Journalisten seit 1995
[2] siehe Phoenix-Runde; seine Argumente zur VDS (ab 12′42″) laß ich einfach mal so stehn
[3] Guardian zu Rzwaan Sabir (engl.); „Nottingham Two“ (Wikipedia, engl.); Süddeutsche„Zwei Münchner in Polizeigewahrsam“

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4 Kommentare

  1. Garfield sagt:

    (überarbeitet: Formulierung + 2 Absätze)

    • hardy sagt:

      lass es mich mal so sagen: es ist das eine, sich über das bild von etwas, das ein deutscher sich von etwas macht, weil die deutsche presse ihm das so vermittelt, zu echauffieren … oder die sache selbst beurteilt, weil er sie kennt. in deinem fall, tut mir leid, redest du über ein bild und nicht die sache.

      als frankophiler bédé(X) fan muss ich einwenden: hey, ich kenne und liebe charlie in jeder version („charlie“, „charlie mensuel“, „charlie hebdo“) seit nun roundabout 40 jahren, wenn ich dort im urlaub bin, kaufe ich mir immer ein heft und in meiner ziemlich umfangreichen sammlung (jede menge urlaube dort…) finden sich ein paar veritable odlies

      deine vorstellung von charlie ist so „richtig“ wie das urteil eines franzosen, der artikel von jan fleischauer als das verstehen würde, was den „spiegel“ ausmacht … also falsch. korrekt wäre folgende sicht: charlie hebdo ist das einzige blatt in frankreich (naja, das war es, heute gibt es ja dass online portal mdiapart), das sich traute, all die geheimgehaltenen und von der mainstreampresse unterschlagenen dinge zu posten, die juwelen mokassas für chirac ist da nur die bekannteste story, jedes heft war früher jedenfalls voller kleiner pikanter details, die sich selbst einem fließend französischsprachigen deutschen in all ihrer verspieltheit nicht wirklich erschliessen.

      charlie auf die karikaturen zu reduzieren ist jedenfalls nur das produkt inkomoetenter deutscher journalisten und hat _nichts_ aber auch rein gar nichts mit „charlie hebdo“ zu tun. die sind nur rotzfrech und lassen sich von nichts und niemandem einschüchtern.

      im grunde solltest du sie mögen 😉

    • Garfield sagt:

      vorneweg: ich hab derzeit Probleme mit meinem PC, bis der repariert ist komm ich nur sehr umständlich an meinen Blog…

      also, „richtig“ ist an dem Text natürlich gar nix – keine „absolute Wahrheit“ o.Ä., nur meine persönliche Meinung, die auch keiner teilen muß.

      die Sache ist halt: für mich gibt’s einfach Werte, wie z.B. Respekt (nicht im Sinne von Autorität, sondern Anstand); und i-wo gibt’s einfach Grenzen. Nur mal als Bsp: das Wort „H***sohn“ ist für mich tabu, das ist einfach ne Frage des Niveaus. Und das haben Charlie Hebdo mit _vielen_ Bildchen deutlich unterschritten.
      Das rechtfertig wie geschrieben natürlich KEINEN Mord – Kritik müssen diese „Werke“ aber trotzdem abkönnen.
      Ich hab nebenbei auch nix gg Witze über Christen, Moslems, Juden, etc pp. Was C.H. sich da teils geleistet haben, hat für mich allerdings wenig mit Humor zu tun… Mohammed beim Arschficken, na klasse. Ich glaub, über sowas hab ich selbst in der Pubertät nicht mehr gelacht.
      Satire sollte eigentlich auch einen tieferen Sinn haben… hier ging’s aber wohl um reine Provokation zwecks Auflage.

      Was ich von den Zeichnern gern gewusst hätte: was sie von ähnlichen geschmackvollen Karikaturen gehalten hätten, statt Mohammed aber Bilder die für sie „heilig“ sind – z.B. … lassen wir das besser.

      Gerade bei praktizierenden Moslems kommt jedenfalls noch ne andere Komponente dazu, weil sie ständig Diskriminierung ausgesetzt sind – nicht nur gesellschaftlich, sondern speziell in F auch juristisch. Derartige „Satire“ – ausgerechnet von einem „linken“ Blatt – dürfte da wie ein doppelter Schlag ins Gesicht wirken.

      Ansonsten hat Glenn Greenwald MMN einiges passende zu dem Thema gesagt

      edit: @„Probleme mit meinem PC“ – normal bekomme ich neue Kommentare etc automatisch angezeigt sobald ich auf ner WP-Seiten bin… da ich z.Zt. nicht am eigenen PC bin fällt das natürlich weg, und weil ich meinen eigenen Blog eher selten besuche verpasse ich neue Kommentare evtl mal

    • Julissa sagt:

      Stay intamrofive, San Diego, yeah boy!

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