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Archiv für den Monat April 2016

B, E, und die Meta-Ebenen

…bevor ich weiter ein anderes Blog vollspamme: meine Meinung @Böhmermann hier.

Satire? Klares Nein. Aber zur Demonstration … und der Kontext! … hat dem Publikum extra das Klatschen untergesagt – Ansage eines Comedey-Menschen während seiner Satire-Sendung, kann ja nur ernst gemeint sein.
Aber gut, warum nicht mal über Erdogan herziehn? Hat er sich redlich verdient, wie (fast) jeder Politiker.
Die persönliche Anrede H*** fällt jetzt also unter „Kunst“. Sonst war das Theater auf ebensovielen (Meta-)Ebenen fragwürdig, wie „genial“. Wirklich satirische Züge hatte auch, was z.T. in den Akt hineininterpretiert wurde – die ernstzunehmenden Varianten:

falls sein Ego nicht bloß extra3 toppen musste, wollte Böhmermann

A– zeigen, wie erpressbar wir uns gemacht haben
B – zeigen, daß es auch in Deutschland Zensur gibt
C – die Heuchelei des „je suis charlie“-Solidaritäts-Zirkus vorführen

Die Erpressbarkeit hat er auf jeden Fall vorgeführt. Ist Erpressbarkeit aber nicht immer irgendwo Teil von Realpolitik…? Jedenfalls hat er auf den fast schon vergessenen „Schah-Paragraphen“ aufmerksam gemacht. Check! ✓
Grobe Beleidigung & Meinung sind vielleicht aber doch 2 Paar Schuhe – und das Gedicht wohl eher erstes.
Im dritten Punkt hat sich aber das genaue Gegenteil erfüllt – fast mit Ansage, der „Skandal“ war ja Teil der Inszenierung:
seine Satire (zumindest in der Gesamtheit passt der Begriff) bestimmt die Nachrichten, das halbe Land ist von einer – dem Fall „Charlie Hebdo“ ganz ähnlichen – Stimmung erfüllt und Böhmermann Mainstream.
Alle Welt springt (natürlich ohne eigenes Risiko) auf den Zug & will auf der „richtigen“ Seite stehn: sogar der Springer-Chef stellt sich hinter ihn (ok, seine Freunde kann man sich nicht immer aussuchen), Künstler schreiben offene Briefe, jeder der bekannt ist oder werden will ruft zur Solidarität auf…
Auch „je suis Böhmermann“ ist inzwischen Slogan der Stunde – der auch von Politikern getragen wird, zwar nicht Hollande & Merkel – von Varoufakis bis zur AfD aber quer durch alle Lager.

Aus der Meta-Meta-… -Perspektive: das fällt dann wohl unter Real-Satire.

Ein ungutes Gefühl für mich: genau wie im Fall des „je suis charlie“-Hypes kommt zumindest unterschwellig eine gewisse Stimmung mit: überheblich, selbstgerecht, „wir sind besser“ – und vielleicht nicht nur als Erdogan persönlich (?)
Was bei Charlie Hebdo der Islam war, ist hier Anatolien – oder, kurz & knapp: „wir sind hier doch nicht in der Türkei!“

Als Bsp.: einfach mal versuchen, sich in einen Türken – von mir aus auch Kemalisten – zu versetzen – der nun aus Deutschland hört, aus Solidarität solle jeder Erdogan beleidigen (im Stil vielleicht nach dem extra übersetztem Vorbild, à la Ziegen***…?).
Merkel wurde im Hitlerkostüm gezeigt & und hat niemand angezeigt, löblich. Trotzdem sorgten die Bilder bei nicht wenigen dt. Steuerzahlern (die hier kein Positiv-Beispiel sein sollen) für stark erhöhten Puls – die griechische Existenznot wurde nicht als „mildernder Umstand“ vergeben. Von Erdogan wird kein Deutscher in die Not getrieben – im Gegenteil ist es Deutschland, daß sich Erdogan bedient.

Könnte es eventuell arrogant rüberkommen, den Schöpfer eines mit rassist. Klischees durchmixten Fäkaltheaterstücks (dem maximal eine Geldstrafe droht) zum Helden zu erklären – während i.d. Türkei wirklich kritische Stimmen in Haft sitzen…? oder bin ich da einfach zu sensibel?

whatever: charlie, böhmermann – je ne suis pas – auch wenn ich absolut kein Freund Erdogans bin. Finito.

(…und jetzt hab auch ich mich noch dazu hinreißen lassen, über diesen Scheiß zu schreiben)

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Unrechtsstaat DDR: sogar der Trabbi war verwanzt

Kein tagesaktuelles Thema, warum schreib ich jetzt darüber? Qualitätsmerkmal eines zeitlosen Blogs, der nicht durchgetriebenen Säuen folgt! Nicht daß ich als Nicht-Autobesitzer das Thema über Terror, Flüchtlinge, AfD oder (…bei Verabschiedung:) Ukraine einfach verpennt hätte
Asche über mein Haupt – trotzdem ein Aufsatz zu „eCall“ – ab 2018 Pflicht für Neuwagen; soweit nicht durch techn. Gründe (Rettungsleitstellen) verzögert.
„Wehret den Anfängen“ ist schon lange vorbei – die Vorschrift aber nicht bloß weiter_er, sondern weiter Schritt zut totalen Kontrolle.

zur Sache datenschutz-notizen.de
Frankfurter Rundschau, Heise, Zeit,
Wikipedia

SIM-Karte, GPS, Mikrophon, … ständig auf Stand-By & entzieht sich dem Zugriff durch den Fahrer – was will der Überwacher mehr?
Natürlich ist z.B. das Erstellen von Bewegungsprofilen auch schon per „E-Maut“ oder Navi möglich, viele Hersteller verbauen ähnliche Systeme bereits ab Werk1 – dem kann man sich aber zumindest entziehn. Mit ‚eCall‘ wird der „gläserne PKW“ Standard.

„In der DDR waren sogar die Trabbis verwanzt, schon serienmäßig“
– weit hergeholt

Kritiker werden gern mal als „Datenparanoiker“ dargestellt, die konsequenterweise auch ihr Handy aus dem Auto verbannen müssten – das ist aber der Punkt: das Handy kann man daheim lassen. Wenn ich mir dazu den massiven Umfang vor Augen halte, den Überwachung bereits heute angenommen hat…2

Jaa, „wer nichts zu verbergen hat…“ – in dem Punkt teile teile ich aber mal die Meinung vieler US-Bürger – die ein gewisses Mißtrauen gegenüber dem Staat, und v.A. seiner möglichen Entwicklung haben. Natürlich wird auch in echten Demokratien™ hin & wieder mal Unfug mit erfassten Daten getrieben, und z.B. privat genutzt – sowas bleibt halt nicht aus.

Bildvorausschauende Reklame (Bild: Volkswagen)

Das Hacken von Fahrzeugen ist ein weiteres Thema. Die Möglichkeiten reichen vom „bloßen“ Auslesen der Daten bis zum Eingriff in die Steuerung – indirekt, indem Autopilot/Tempomat falsche Werte vorgespielt werden (z.B. GPS-Spoofing) – oder ganz direkt, durch Kontrolle von Lenkung & Bremsen.3
‚eCall‘ selbst soll zumindest relativ sicher sein, Einfallstore sind v.A. Sicherheitslücken in Online-Diensten.

Unabhängig von der EU-Vorschrift – der Trend geht allgemein zum „connected car“, auch wenn spektakuläre Hacks am Image gekratzt haben.
Mit ‚eCall‘ wird die Technik & für Apps nötige Plattform nun verpflichtend, bzw. gleich mitgeliefert. Hersteller können ihre eigenen Produkte dazupacken – Kompatibilität zu versch. Navi-Systemen ist praktischerweise schon Teil der Verordnung.

Huxley vs. Orwell

Die Vernetzung von Alles & Jedem hat zentralen Bereichen der Infrastruktur (wie Kraftwerken) bereits „offene Flanken“ beschert.
Nun wird der Straßenverkehr miteinbezogen – bei gleichzeitiger Tendenz, zunehmende Steuerungs-Komponenten dem Computer zu überlassen (Stichwort autonomes Fahren).

Welche Vorteile ein im PKW selbst „verbauter“ Internet-Zugang dem Faher unterm Strich bringt – mal dahingestellt …
Fokus von ‚eCall‘ sind Zeitgewinn und „Disco-Unfälle“ (die dann natürlich nicht im Funkloch stattfinden dürfen), so sollen bis zu 2.500 Menschen/Jahr gerettet werden können. Wenn man Menschenleben aufrechnet, kann natürlich kein Preis zu hoch sein – aber wie bei Bahnübergängen: egal wieviele Schranken man hochzieht, absolute Sicherheit ist unmöglich – das Leben ist tödlich.
… in jedem Fall auch Kosten: neben der Kontrolle über die Privatssphäre – das Auto ist künftig auf der Datenautobahn unterwegs, „Verkehrs“risiken inklusive.
Letzte Ausnahmen beseitigt die EU-Vorschrift.

wohin ‚ecall‘ führt

…mich persönlich – auf ein weiteres Thema: die Visionen des Hohepriester aller „Truther“, Alex Jones, von „gechippten“ Menschen wirkten noch vor kurzem leicht abgedreht…
doch Mikroelektronik unter der Haut ist keine Utopie mehr – und das nicht erst in „naher Zukunft“, sondern vielleicht auch schon 2018 heutefreiwillig. (mehr …)

ein Gedanke zur Berichterstattung

…mal eben so dahingeschrieben.
Heute, 21.45 auf Phoenix: das heute Journal über die „Panama Papers“ – Bilanz der Moderatorin ist ein Loblied auf den Westen – Zitat (ab 13′05″)

Eins fällt auf, und das läßt sich als positive Erkenntnis bennenen – unter den politischen Briefkastenhaltern befinden sich […] kaum solche aus westlichen, rechtsstaatlichen Demokratien. Ausnahmen bestätigen die Regel – und dazu kommen wir gleich – aber in der Gesamtschau kann man doch den Schluß ziehn: politische Systeme, in denen Spitzenpolitiker i.d. Regel nicht zugleich millionenschwere  Geschäftsleute sind, in denen es eine freie Presse gibt, und in denen der Wähler soviel Macht hat, daß Enthüllungen mit Amtsverlust einehrgehn […] ist es weniger üblich, daß Regierungsmitglieder und ihre Familien zig Mio. ins Ausland verschieben und ihre Vermögensverhältnisse verschleiern. Umso mehr fällt ins Auge, was die Panama-Paper über Island enthüllen

Zur „Macht der Wähler“ – kleine Korrektur: der Premier von Island hat angekündigt, nicht zurückzutreten. Davon ab: so weit, so fragwürdig. Westliche Politiker führen zwar bis auf „Ausnahmen“ keine Briefkastenfirmen, aber sonst… eine Aufzählung von Nebeneinkünften, „honorigen“ Vorträgen, Berufswechseln etc. spar ich mir hier mal.
Wie auch immer: jeder Superheld braucht auch einen Schurken – nach einem Bericht über die Ausnahme Island, dortige Proteste & die Online-Petition für den Rücktritt des Premiers – der Schwenk auf (tataa!) Putin.

Ab 19′07″ – „besonders interessant ist ja der Fall Putin“. Seine „engsten Freunde“ haben auffällig viel Geld durch Briefkastenfirmen ins Ausland gebracht – „Wer mit ihm sehr nah ist, wird reich“ – u.A. der Cellist Sergej Roldugin mit 30 Millionen Dollar.
Fazit: nichts genaues hat man nicht – obwohl speziell auf Putin nochmal „alles abgeklopft“ wurde.

Ich bin sicher kein Freund Putins – der die Oligarchen nicht entmachtet, sondern unter seine Knute genommen hat; die i.d. Panama-Papieren entdeckte „Spur des Geldes“ ist auf jeden Fall interessant und Verbindungen würden mich nicht wundern.

Aber der Ton macht die Musik. Die Art, in der hier auf Putin umgeschwenkt & er ins negative (Rampen-)Licht gestellt wird; das schon demonstrative Stochern – während gleichzeitig ein belegter Fall aus der selben Region – mit Poroschenko dazu quasi-Alliierter des Westens – eher am Rande erwähnt wird… wirkt schon sehr nach Kampagne.
Derartige Berichte sind wie Steilvorlagen. Lobgesang auf ‚DEN Westen‘, gefolgt vom Einschießen auf die Person Putin – auch wenn (im Ggs. zum ersten) nichts konkretes vorgelegt werden kann… und dann wundert man sich noch ernsthaft über Putin-Fanboys oder die „Lügenpresse“-Fraktion, von Elsässer & Co. bis zu „kritischen“ Blogs à la ‚Propagandaschau‘…? Bessere Vorlagen kann man ja kaum liefern.
Manche behaupten, auch negative PR wäre Werbung – bei Putins Medienpräsenz könnte man jedenfalls meinen, die Erde dreht sich um den Mann.

Man sollte meinen, die Öffentlich Rechtlichen hätten in der Zwischenzeit dazu gelernt – offensichtlich nicht. Im Gegenteil tun sie [unbewußt] weiter alles, um das „Lügenpresse“-Image aufrecht zu erhalten.
Nebenbei, @heute-journal: die Agitation war auch schon mal besser.